Ein kleines Feuer im Hof der Familie Meyer.

„Einen schönen guten Tag,


erst einmal vielen Dank, dass Sie uns im Rahmen des „5 Euro Hauses“ unterstützen, ein neues zu Hause aufzubauen.
In den letzten 4,5 Monaten wurde unser Haus in Altenburg vom Schlamm gesäubert und im Anschluss auf Grundlage der dringenden Empfehlung unserer Gutachterin sowohl im Innen- als auch im Außenbereich komplett entkernt. Hintergrund ist, dass wir in der Flutnacht neben dem Wasser-, Fäkalien- und Schlammgemisch unser Haus auch sehr stark von auslaufendem Heizöl betroffen war. Wie sich herausstellte, sind Ölbehälter aus Kunststoff anfällig gegen den immensen Wasserdruck und gehen schnell „hoch“ im Gegensatz zu Stahlbehältern, die in den 50er/ 60er Jahren verbaut wurden. Das führt dazu, dass das Wasser in die Heizöltanks eindringt. Da das Heizöl leichter ist als Wasser, steigt es bei defekten Öltanks auf und verteilt sich an der Wasseroberfläche. Dies ist in der Flutnacht in vielen Haushalten passiert und führte dazu, dass sich Heizöl Teppiche bilden konnten, wodurch sich das Heizöl unkontrolliert in Häuser und Natur verteilen konnte.


Um das Trocknen im Keller zu beschleunigen wurde unser Haus an drei Seiten im Kellerbereich komplett freigelegt und auch hier der Zementputz inklusive dem Bitumenanstrich entfernt. Dies war sehr zeitintensiv und wäre ohne die unzähligen Helfer, die dankenswerterweise an Wochenenden und in ihren Urlauben im Ahrtal zum Säubern der verschlammten Häuser und anschließenden Entkernen derselbigen nicht möglich gewesen. Die Wände wurden gereinigt und im Anschluss mit Wasserstoffperoxid gegen Schimmel und Viren behandelt und dann alle 2 – 3 Tage mit Mikroben zum Abbau von Heizöl besprüht. Mikroben sind kleine Mikroorganismen, die das Heizöl „auffressen“ und somit abbauen.


Ende September haben wir dann provisorisch von Helfern aus Baden-Württemberg eine Ölheizung installiert bekommen, mit jeweils drei großen Heizkörpern zentral in jeder Etage im Treppenhaus. Zudem wurde der Schaltschrank durch einen Elektriker Meister in den Dachboden verlegt, um bei künftigen Hochwasserereignissen den Schaden so gering wie möglich zu halten. Mitte Oktober kam dann ein Vater- und Sohn- Gespann. Am ersten Tag wurde Jacks Kinderzimmer verkabelt und Unterputzdosen verlegt. Am Folgetag, Freitag den 15.10. bekam ich morgens früh um 07:15 Uhr dann den ersehnten Anruf von unserer Gutachterin mit den Ergebnissen der Wandproben. Untersucht wurden die Proben auf Mineralölkohlenwasserstoff. Leider mit dem Ergebnis, dass die Werte viel zu hoch und auf Dauer krebserzeugend für die Bewohner sind. Wir waren gut unterwegs und hatten von jetzt auf gleich den Stillstand. Simone war auch am Boden zerstört. Ich habe im Laufe des Tages allen Helfern abgesagt und Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Bekannten Bescheid gegeben.


Seit dem uns mitgeteilt wurde, dass der Abriss unumgänglich ist, ist es sehr ruhig um unser Haus in Altenburg geworden. Anfangs war ich noch vor Ort und habe Materialien, die ich nicht mehr benötige an Bewohner in Altenburg und an unser Versorgungscamp weitergegeben. Mittlerweile haben wir aber auch wieder mehr Zeit für unser Familienleben, was natürlich in den Wochen nach der Flut viel zu kurz gekommen ist.


Nachdem ich die Bautrockner abgebaut und zurückgegeben habe, habe ich begonnen, die Fenster auszubauen. Der Ausbau der provisorischen Ölheizung samt Heizkörper steht auch noch bevor. Zudem muss noch die Elektroinstallation zurückgebaut werden. Das sind die letzten Schritte, damit das Haus weitestgehend sortenrein abgerissen werden kann.
Am 29.11. steht der Termin mit unserer Gutachterin an, bei dem wir das Gutachten besprechen. Wenn dann keine weiteren Punkte mehr offen sind, können wir im Anschluss bei der ISB (Investitions- und Strukturbank Rheinland Pfalz) die staatliche Förderung beantragen, da wir keine elementare Gebäudeversicherung haben. Im Nachgang warten wir dann auf die Entscheidung der ISB und dann folgt der Abriss des Hauses.


Im Moment stecken wir in der Hausplanung noch am Anfang. Wenn wir dann mit den grundlegenden Themen wie „Bauen mit Hochwasserschutz (Ja/Nein)“, „Bauen mit Keller“ (Ja/ Nein) durch sind, werden wir den Bauantrag über unsere Architektin stellen lassen und dann im Frühjahr mit dem Neubau beginnen. Was die Aufteilung der Wohnräume angeht, haben wir keine Änderungen geplant, hier war das Haus für uns schon vorher optimal.


Für die Kinder ist ein weiteres Stück Normalität eingetreten. Jack (2) hatte im August zusammen mit seiner Mama Simone seine Eingewöhnungszeit und geht mittlerweile sehr gerne mit seinem Bruder John (5) in den Kindergarten. Durch das offene Konzept können sich die Kinder auch in den unterschiedlichen Gruppen besuchen, was beide auch sehr genießen.


Wir hatten das große Glück, dass wir schon innerhalb der ersten Woche nach der Katastrophe ein Haus aus privatem Besitz vorerst mietfrei in Grafschaft/ Lantershofen zur Verfügung gestellt bekommen haben, in dem wir uns auch wohl fühlen. Darüber sind wir sehr dankbar. Auch das wir bereits nach einem Monat ein Auto gespendet bekommen haben, hat uns sehr geholfen. Leihweise haben wir einen Anhänger und mittlerweile drei Wohnwagen über Ahrhelp.de zur Verfügung gestellt bekommen. Auch hierfür vielen Dank an die Überlasser. 


Nachdem wir die schreckliche Nacht vom 14.07. auf den 15.07. überlebt haben und uns in den ersten Wochen mit der neuen Situation arrangieren mussten, sind wir für die große Anteilnahme, Hilfsbereitschaft und Spendenbereitschaft unendlich dankbar. Wir sind mit dem was wir an Kleidung am Körper trugen am 15.07. über den angrenzenden Berg nach Kreuzberg letztendlich bis auf den Wanderparkplatz oberhalb von Altenahr gewandert. Hierbei wird uns der 500 Meter lange, aufgrund des Stromausfalls, dunklen Tunnel und die Permanenten Rotorengeräusche der Hubschrauber und die Martinshörner der Einsatzfahrzeuge, die die geretteten Menschen in Krankenhäuser abtransportierten, besonders in Erinnerung bleiben. In den Momenten, an denen ich versuche unser Erlebtes in Worte zu fassen bekomme ich immer noch Gänsehaut. Es war eine apokalyptische Stimmung.


Auf die Frage, wie wir uns in der Nacht und in den Tagen danach gefühlt haben und was wir durchleben mussten, trifft es folgender Song aus unserer Sicht passend: https://www.youtube.com/watch?v=uE-4RU8vhEY


Daher nochmal vielen, vielen Dank, dass Sie uns mit Ihrer Spende unterstützen und uns dadurch die Hoffnung geben, in Altenburg einen Neuanfang starten zu können. Es zählt wirklich jeder Euro.

Bleiben Sie gesund!
Viele Grüße von Sascha & Simone Meyer mit John und Jack.
P.S.: Auch unseren Katzen Jimmy und Lilly geht es gut. Sie haben die Flutnacht unbeschadet überstanden.“

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